Lehrer und Pareto – Effizient mit 20/80-Regel

Pareto Prinzip 20/80-Regel für Lehrer zum Vermeiden von Stress und Burnout lehrer-zeit.de

In diesem Artikel erläutere ich das Pareto-Prinzip, auch bekannt als 20/80-Regel (oder 80/20-Regel). Außerdem gebe ich Denkanstöße, wie du das Pareto-Prinzip für effektive Planung und sinnvolles Zeitmanagement nutzen kannst, indem du überflüssige Aufgaben streichst. So kann jeder Lehrer beginnen, seinen Perfektionismus zu kontrollieren, seinen Zeitdruck zu mindern und seinen Stress zu reduzieren – ein erster Schritt zu gutem Zeitmanagement.

Eine Anekdote zum Einstieg

Ich spiele seit meinem 15. Lebensjahr Gitarre. Damals hatte ich noch die Zeit, fünf bis acht Stunden täglich zu üben. Die Fortschritte waren natürlich enorm. Mit Beginn des Studiums, und erst recht des Arbeitsalltags, veränderte sich der Zeitfaktor natürlich gravierend. Es mussten andere Prioritäten beim Üben gesetzt werden. Kein sinnloses, stundenlanges Gedudel mehr, sondern lieber eine halbe Stunde konzentrierte Technikübung.

Trotzdem, die Fortschritte wurden kleiner. Ich persönlich fand diese Umstellung schrecklich. Youtube zeigte mir all diese Gitarrengötter, deren Fähigkeiten unerreichbar waren. Ich betrachtete meinen eigenen Fortschritt und kam mir klein und unbedeutend vor.

Eines Tages fragte ich meinen Bandkollegen, wie er damit klar käme, so viel weniger Zeit zum Üben zur Verfügung zu haben als früher. Seine Antwort brachte mich zum Nachdenken: “Da denk ich nicht so drüber nach. Ich finds einfach ziemlich Hammer, zu den besten 20 % der Welt zu gehören.”

Er hatte recht. Wir konnten den vollen Einsatz nicht mehr leisten. Und doch spielte ich besser Gitarre, als ich es mir mit 15 Jahren jemals erträumt hatte. Dieser Gedanke war für mich unheimlich beruhigend. Denn es zeigte mir: der sinnvolle und gezielte Einsatz meiner Zeit für die essentiellen Aufgaben hatte sich ausgezahlt. Ich würde nie das perfekte Ergebnis erreichen. Aber ein verdammt gutes.

Erst später wurde mir bewusst, dass dies nichts Anderes war, als eine praktische Anwendung des Pareto-Prinzips.

20/80-Regel: Das Pareto-Prinzip

Der italienische Ökonom Vilfredo Pareto kam bei einer Untersuchung der Vermögensverteilung Italiens Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem erstaunlichen Ergebnis: 20% der Bevölkerung besaßen 80% des Vermögens. In Folge stellte er fest, dass dieses Prinzip auf viele Bereiche des Lebens anwendbar ist.

Konkret ist das Pareto-Prinzip wie folgt definiert:

Ein geringer Teil der Arbeit schafft einen großen Teil des Erfolges.

Beispiele für das Pareto-Prinzip

  • Bei vielen Unternehmen werden 80 Prozent des Umsatzes mit 20 Prozent der Produkte oder Kunden gemacht.
  • In Lagerhäusern beanspruchen meist 20 Prozent der Produkte 80 Prozent des Platzes.
  • 20 Prozent der Websites im Internet machen 80 Prozent des Datenvolumens aus.
  • 80 Prozent der Stadtbewohner eines Landes leben in 20 Prozent der Städte.
  • 80 Prozent des Verkehrs spielen sich auf 20 Prozent der Straßen ab.
  • Kinder spielen 80 Prozent der Zeit nur mit 20 Prozent ihres Spielzeugs.
  • 80 Prozent deiner Anrufe führst du mit 20 Prozent deiner gespeicherten Kontakte.
  • 80 Prozent der Zeit trägst du nur 20 Prozent aller deiner Kleider im Kleiderschrank.
  • Bei richtiger Verteilung der Prioritäten lassen sich mit 20 Prozent des Aufwands häufig 80 Prozent der gesamten Arbeit erledigen.

(Quelle: https://www.absolventa.de/karriereguide/zeitmanagement/pareto-prinzip)

Folgen für dein Zeitmanagement

Das Wissen um die 20/80-Regel bringt enorme Vorteile bei der Einteilung deiner Zeit. Die Folgen für deine Unterrichtsplanungen liegen auf der Hand: Um eine gute, funktionierende Stunde zu planen, benötigst du wesentlich weniger Zeit als für die Perfektionierung. Sich das Pareto-Prinzip vor Augen zu halten, trägt massiv dazu bei, den eigenen Perfektionismus unter Kontrolle zu halten.

Ein Beispiel: Du planst eine Stunde zur Einführung eines neuen Themas. Für die reine Erfüllung der wichtigsten Lernziele brauchst du für diese konkrete Unterrichtseinheit vielleicht 25 Minuten. In dieser Zeit planst du einen Einstieg, eine Erarbeitung mit bestimmten Sozialformen und eine Übungsphase. Eine Stunde, die läuft.

Nun kommt der Perfektionist ins Spiel. Er gibt sich nicht mit den Übungen aus dem Buch zufrieden, sondern sucht nach weiteren Aufgaben, die seinen Ansprüchen besser entsprechen. Bei diesen müssen aber die Arbeitsanweisungen angepasst werden, da sie nicht mit seinem Plan übereinstimmen. Also tippt er die Aufgabe ab. Dazu schreibt er Lösungen, damit sich die Schüler selbst kontrollieren können. Passende Bilder zu suchen, nimmt weitere 20 Minuten in Anspruch. Es werden Aufgabenkarten für die Sozialform erstellt, gedruckt, laminiert. Eine Powerpoint-Präsentation zur Visualisierung ist auch nötig.

Gemäß 20/80-Regel dauert die Perfektionierung der Stunde noch einmal 100 Minuten. Das mag jetzt vielleicht ein wenig übertrieben sein, die Lehre daraus ist aber eindeutig. Der letzte Schliff der Planung einer Unterrichtseinheit kostet unwahrscheinlich viel Zeit. Und das für einen relativ geringen Wertzuwachs.

Schritte zum Umsetzen des Pareto-Prinzips

1. Erkenne, welche Tätigkeiten den Großteil des Erfolgs ausmachen.

Was muss in der Unterrichtseinheit minimal geschehen, damit die Lernziele erfüllt sind?

Welche Bestandteile eines Arbeitsblattes sind wirklich wichtig, damit es zum Ziel führt?

Welche Sozialform bringt tatsächlich den größten Vorteil in der Situation?

Welcher Medieneinsatz bringt die Schüler wirklich weiter?

Notiere diese Tätigkeiten!

2. Wende immer zuerst diese Tätigkeiten an.

Beginne mit den notierten Tätigkeiten und arbeite sie vor allem Anderen ab. Auf diese Weise hast du beispielsweise bereits eine funktionierende Stunde. Das erleichtert Schritt

3. Bewerte die restlichen Tätigkeiten.

Wäge nun ganz genau und ehrlich ab, ob weiteres Perfektionieren tatsächlich einen Wertzugewinn bringt.

Ist die Tätigkeit wirklich nötig, um zum Ergebnis zu gelangen?

Wird das Ziel auch ohne diese Tätigkeit erreicht?

Haben viele Beteiligte einen Nutzen aus der zusätzlichen Arbeit?

4. Einschränken oder Weglassen

Für den Perfektionisten der härteste Teil. Schränke die zusätzlichen Arbeiten ein oder lasse sie, wenn möglich, ganz weg. Denn es geht nicht immer um das perfekte Ergebnis. Gut ist oftmals auch gut genug.

Es geht nicht darum, einfach Teile seiner Arbeit nicht zu machen. Es geht darum, Dinge wegzulassen, die nichts bringen.

5. Schätze deine gewonnene Zeit

Und es geht vor allem auch darum, seiner eigenen Zeit wieder einen Wert zu geben. Indem du die gewonnene Zeit auch genießt und sinnvoll für dich selbst nutzt, tust du zur Abwechslung auch mal etwas für dich selbst. Konzentriere dich auf die wichtigen Dinge des Lebens. Lerne “Nein” zu sagen.

Grenzen des Pareto Prinzips

Eines sollte man sich natürlich vor Augen halten: Sein Leben komplett nach dem Pareto-Prinzip zu gestalten, kann nicht die ultimative Lösung sein. Die 20/80-Regel sollte nicht als Ausrede für mangelnden Fleiß verwendet werden. Sie ist vielmehr eine Anleitung, sich auf die effektiven Teilbereiche einer Aufgabe zu konzentrieren und zeitfressende, überflüssige Teilbereiche zu eliminieren.

Zudem gibt es immer Aufgaben, auf die sich die 20/80-Regel nicht sinnvoll anwenden lässt, ohne Schäden anzurichten. Ein Beispiel: Sich nur noch auf die 20 % der Schüler zu konzentrieren, die die meisten Probleme verursachen, resultiert mit ziemlicher Sicherheit nicht zu besserem Klassenmanagement. An einer solchen Stelle das Pareto-Prinzip anzuwenden, führt zum Scheitern.

Zusammenfassend

Mit der 20/80-Regel lernst du, dein Zeitmanagement zu optimieren. Du eliminierst unwichtige Aufgaben und sparst dir somit Zeit. Stress wird verhindert, auf lange Sicht ein gutes Mittel, um Burnout vorzubeugen. Wir Lehrer vergessen gerne: Auch wir dürfen versuchen, den Zeitdruck zu minimieren und uns auf die wesentlichen Aspekte des Lebens zu konzentrieren. Darum: Mache dir immer bewusst, ob du deine Zeit wirklich sinnvoll einsetzt oder für effektarme, überflüssige Zusatzarbeiten opferst, die niemandem helfen und die dir niemand dankt.

Stimmst du meinen Ausführungen zu? Verwendest du selbst das Pareto-Prinzip? Wenn ja, in welchen Bereichen, bei welchen konkreten Beispielen? Ich freue mich über jeden Kommentar.

Bis zum nächsten mal.

Und vergiss nicht: Auch Lehrer haben ein Recht auf Zeit.

Basti

 

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