Als Lehrer der Zeit einen Wert geben

Stundenlohn zur Bewertung der Zeit des Lehrers - Zeitmanagement

Lehrer arbeiten viel. Außenstehende können dies oft nicht glauben oder nachvollziehen, nach landläufiger Meinung haben Lehrer viel zu viel Zeit. In meinen Augen ist jedoch das hohe Arbeitspensum des Lehrers ein nicht unwesentlicher Auslöser des hohen Burnout-Risikos in unserem Beruf.

Gutes Zeitmanagement kann Abhilfe schaffen. Nur neigen viele Lehrer dazu, ihre eigene Zeit als nicht wertvoll genug zu betrachten. Eine Methode, das zu ändern, ist die Berechnung des Stundenlohns.

Nur teilweise aussagekräftig

Vorab sei gesagt, dass die Berechnung des Lehrer-Stundenlohns nicht für einen Vergleich mit dem Verdienst in anderen Berufen herhalten kann. Mit einem Angestellten schon allein deshalb nicht, weil dieser einen festen Stundensatz erhält. Der Selbstständige kalkuliert ebenfalls seinen Stundenlohn, doch diesem liegen natürlich ganz anderen Berechnungen zu Grunde als dies bei unserer simplen Überlegung der Fall sein wird.

Der Lehrer-Stundenlohn ist lediglich für den jeweiligen Lehrer interessant, als Vergleichswert für die benötigte Arbeitszeit. Warum aber dann überhaupt einen Eurobetrag berechnen und nicht einfach die Stunden zusammenzählen?

Warum reicht es nicht, nur die Zeit zu messen?

Natürlich wäre auch das eine Möglichkeit. Ich habe jedoch für mich persönlich herausgefunden, dass die Umrechnung in einen Geldbetrag wesentlich größere Wirkung auf mich hatte, als nur die der Zeit. Das hat in meinen Augen vor allem einen entscheidenden Grund: Viele Lehrer wertschätzen ihre eigene Zeit nicht.

“Ich sehe mir gerade keinen Weg aus der Arbeit, aber so ist das halt in unserem Beruf.” Jeder kennt einen Kollegen, der über die Arbeit klagt. Und nicht weil sie ihm zu anstrengend ist, sondern weil sie ihm die Zeit für die Entspannung raubt. (Lies dazu auch meinen Artikel dazu, dass mehr Arbeit noch keinen besseren Lehrer ausmacht=

Wir haben die Referendare erlebt, die mit vier Stunden Schlaf auskamen, einfach weil sie der Meinung waren, das müsse eben während dieser Zeit so sein, das sei normal. Ich habe schon Gespräche belauscht, bei denen sich Lehrer gegen das übliche “Ihr-habt-doch-eh-immer-nur-frei” mit den Worten rechtfertigten “Du hast doch keine Ahnung, erst gestern hab ich wieder bis ein Uhr korrigiert.”

Da auch ich lange Zeit zu dieser Kategorie gehörte, war die gemessene Zeit für mich wenig Antrieb, konkret etwas an meiner Arbeitsweise zu ändern. Das änderte sich aber schlagartig, als ich einmal mehrere Wochen hintereinander den Lohn meines Angestelltenvertrages auf die Arbeitszeit aufgeteilt hatte. Ich kann nicht sagen, dass ich erfreut war.

Für mich steht eines fest:


Der Lehrer-Stundenlohn gibt meiner Zeit einen Wert. Er hilft mir einzusehen, dass ich nicht nur mit meiner Zeit haushalten muss, sondern dass es mir auch zusteht.


Diese Erkenntnis war für mich entscheidender Schritt zum Zeit- und Selbstmanagement. Ich kann dir nur empfehlen, es auch auszuprobieren. Vielleicht bist auch du der Typ Lehrer, der seiner Zeit erst noch einen Wert geben muss.

Wie kann der Stundenlohn berechnet werden?

Um effektiv und lückenlos deinen Stundenlohn auszurechnen, empfehle ich dir folgendes Vorgehen:

  1. Miss deine Arbeitszeit. Am besten mit einem digitalem Zeitmesser, den du jederzeit ein- und ausschalten kannst. Ich verwende die Android-App “Swipetimes.” Dann musst du nur noch daran denken einzustempeln, wenn du zu arbeiten beginnst und beim Beenden wieder auszustempeln. Ich messe jede Korrektur, jede Kopieraktion nach der Schule und jede Konferenz, um meinen Stundenlohn exakt abzubilden.
  2. Verteile dein Gehalt auf deine Arbeitsstunden. Dies kannst du beispielsweise am Ende des Monats tun, oder jede Woche, je nachdem.

Ich habe mir eine Excel-Tabelle erstellt, in die ich alle Werte eintrage. Dort wird mir dann der Durchschnittslohn über den gesamten Erfassungszeitraum angezeigt. An einem Diagramm lässt sich dann noch zusätzlich der Verlauf nachvollziehen.

Was kannst du aus dem Stundenlohn lernen?

  1. Du kannst dich motivieren, dein Zeitmanagement zu verbessern. Lehrer können unser Gehalt nicht durch Verhandlungen mit dem Chef erhöhen. Die meisten wollen, so hoffe ich zumindest, auch nicht nur Dienst nach Vorschrift ohne Rücksicht auf die Schüler erledigen. Wo wir also ansetzen können, ist unser Zeitmanagement. Wir können lernen, effektiver zu arbeiten. Der Stundenlohn war für mich ein wunderbarer Antrieb.
  2. Er dokumentiert den langfristigen Fortschritt. Gerade wenn du dir über einen langen Zeitraum Notizen zu deiner Arbeitszeit und deinem Stundenlohn machst, kannst du auf diese Weise deine Verbesserungen nachvollziehen. Stell dir das Gefühl vor, wenn du dich erst um mehrere Euro pro Stunde nach oben gearbeitet hast, nur indem du deine Effizienz gesteigert hast.
  3. Du lernst deine eigene Zeit zu schätzen. Wie bereits oben erwähnt, gibst du deiner Zeit einen Geldwert und erkennst vielleicht auch, wie viel Zeit du aus dem Fenster wirfst.

Der Stundenlohn des Lehrers ist eine wunderbare Methode, die eigene Zeit wertschätzen zu lernen.

Misst du deine Zeit? Bist du erstaunt über deinen Stundenlohn? Ich freue mich über deinen Kommentar.

Denk daran: Auch Lehrer haben ein Recht auf Zeit.

 

Leave a Comment:

Leave a Comment:

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen