9 Zeitfresser im Alltag eines Lehrers

9 Zeitfresser im Alltag eines Lehrers

Jeder Lehrer kennt das Gefühl. Eigentlich war den ganzen Tag etwas los, trotzdem hat man nichts geschafft. Wie konnte das nun wieder passieren? Grund dafür sind oft bestimmte Tätigkeiten, die weit mehr Zeit benötigen, als tatsächlich wahrgenommen wird. In diesem Artikel werde ich auf 8 Zeitfresser im Lehreralltag eingehen und was dagegen unternommen werden kann.

1. Suchen als enormer Zeitfresser

So viel Zeit des Lebens wird mit Suchen vergeudet. Sei es mit dem Suchen nach Arbeitsmaterial, nach den Schlüsseln, der Brille, dem Handy… Die Möglichkeiten, etwas nicht zu finden, sind schier endlos.

Suchen ist oft jedoch nur ein Symptom für Unorganisiertheit. Das beste Beispiel ist das Arbeitszimmer: Wenn alles seinen festen Platz im Büro hat, wird eine riesige Menge unnötiger Suchzeit wegrationalisiert. Genauso verhält es sich auch in der Schule: Hast du ein System für deine Kopien und Arbeitsmaterialien? Hast du einen Platz für alles?

2. Mehrarbeit durch Vergessen

Gerade am Anfang meiner “Lehrerkarriere” hatte ich oft mit diesem Zeitfresser zu kämpfen. Vergessene Termine, Elternbriefe mit falschem Datum, nochmals zum Kopierer rennen, weil ja da noch dieses eine Arbeitsblatt war. Wertvolle Lebenszeit so einfach zu vergeuden ist nicht nur schade, sondern führt unnötigen Stress herbei.

Die Lösung ist so einfach wie logisch: To Do Listen. Es heißt zwar immer: “Ich muss mir das nicht aufschreiben, ich bin ja noch jung.” Die Annahme, das Vergessen habe etwas mit dem Alter zu tun, ist aber einfach Quatsch. Verplantheit tritt bei vielen schon in sehr jungen Jahren auf.

Das ist nicht schlimm und kann mit dem richtigen To Do Listen-System ohne Probleme behoben werden. Was du dir richtig und sinnvoll aufschreibst, kannst du nicht vergessen. Ein Problem weniger. Lies auch meinen Artikel darüber, wie du ein sinnvolles System für To Do Listen erstellen kannst.

3. Papierkram

Ein nicht zu unterschätzender Teil der Zeit eines Lehrers geht für bürokratische Arbeiten drauf. Dieser Zeitfresser wird, zumindest gefühlt, auch in Zukunft immer weiter ansteigen. Genauere Wochenpläne, Stoffverteilungspläne, Kompetenzraster, Förderpläne, Berichte… An Papierkram mangelt es nicht.

Daher wird es immer wichtiger, seinen Papierkram sinnvoll zu bearbeiten. Zuallererst kannst du dir die Frage stellen: “Wer liest das überhaupt?” Für Papierkram, der eh nur abgeheftet wird um dann zu verstauben, braucht man sich normalerweise kein Bein auszureißen. Oft kann auch Material vom Vorjahr überarbeitet werden.

Ich rufe nicht dazu auf, seine Arbeit schlecht zu erledigen. Wie immer solltest du dir aber überlegen, wie viel bestimmte Arbeiten deinen Schülern oder dir selbst überhaupt bringen. Danach solltest du auch deinen Fokus ausrichten. Überflüssige Papierarbeiten sind nicht nur schlecht für den Regenwald, sondern auch enorme und überflüssige Zeitfresser.

4. Für den Unterricht recherchieren

Einen informativen Zeitungsartikel zu finden, ist ein schönes Gefühl. Genauso kann es sich mit einem passenden Filmausschnitt verhalten. Aber wie so oft verbringt man auch hier mit der Suche nach passendem Material Unmengen an Zeit.

Kennst du das auch? Du setzt dich an den PC und möchtest nur schnell ein Arbeitsblatt finden und plötzlich ist eine ganze Stunde wie weggeweht. Dann hast du zwar dein Arbeitsblatt, aber zu welchem Preis?

Zugrunde liegt oft das Parkinsonsche Gesetz: Je mehr Zeit für eine Tätigkeit vorhanden ist, umso mehr dehnt sich diese Tätigkeit auch aus. Gerade beim Recherchieren empfehle ich dir daher zwei einfache Grundregeln:

  1. Zeitlimit setzen: Ein klares, realistisches und vor allem knappes Zeitlimit für deine Recherche sollte bereits vorher festgelegt werden. Wenn die Zeit um ist, dann höre auf, weil die Ergebnisse nicht mehr besser werden.
  2. Nur 3 Alternativen suchen: Je mehr Alternativen der Mensch zur Verfügung hat, umso länger dauert die Auswahl. Interessanterweise wird der Mensch mit seiner Wahl auch unglücklicher, je mehr Möglichkeiten zur Entscheidung vorliegen (paradox of choice). Genauso verhält es sich auch mit dem Material deiner Recherche. Wenn du also drei mögliche Arbeitsblätter zur Auswahl hast, dann suche nicht mehr weiter, sondern entscheide dich sofort!

5. Unterrichtsmaterial erstellen

Ein ähnlicher Zeitfresser ist auch die Erstellung des Unterrichtsmaterials. Eine Differenzierungsmaßnahme kann dich schnell 30 Minuten Arbeit kosten. Individuell erstellte Arbeitsblätter brauchen sehr lange für die Erstellung. Der Vorteil solcher Arbeitsmaterialien ist natürlich offensichtlich, aber wie sieht es mit deiner Zeit aus?

Wer Wert auf seine eigene Freizeit legt, muss auch hier wieder lernen, seinem Perfektionismus Einhalt zu gebieten. Genauso muss eine klare Auswahl erfolgen, welche Materialien wirklich sinnvoll sind und ob die zusätzliche Arbeit wirklich ausreichend belohnt wird. Hier hilft mir immer sehr, mir das Pareto-Prinzip vor Augen zu halten.

6. Kopieren als Zeitfresser

Ich kenne doch immer noch viele Lehrer, die jeden Morgen eine Viertelstunde mit Kopieren verbringen. Dafür müssen sie natürlich eher da sein, extra Wege auf sich nehmen, warten, anstehen, die Blätter nochmals lochen, schneiden… Alles in allem ist man auf diese Weise jeden Tag gut beschäftigt.

Das muss natürlich nicht sein. Wie ich in meinem Artikel über das Stapeln ähnlicher Tätigkeiten schon erklärt habe, lohnt sich hier besonders eine strukturierte Vorbereitung aller Materialien. Nur 1-2 mal in der Woche kopieren zu müssen, spart Stress und Zeit.

7. Gespräche mit Kollegen führen

Eigentlich wolltest du in dieser Freistunde so viel schaffen. Die Klausur korrigieren, einen Elternbrief schreiben… Aber dann waren da ja doch noch die Kollegen. Und ganz schnell steckt man wieder in einem Gespräch über Schüler, Eltern, den Chef usw.

Ich bin für diese Ablenkung besonders empfänglich. Oft finde ich diese Gespräche auch sehr hilfreich, meine Schüler oder Eltern besser zu verstehen. Daher möchte ich Gespräche zwischen Lehrern natürlich auf keinen Fall verteufeln.

Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass sie passieren. Im Lehrerzimmer herrscht Ablenkung, der man nicht ohne Weiteres entkommen kann. Wer also dort versucht, strukturiert zu arbeiten, sollte sich nicht über Ablenkungen wundern. Hinterfrage also klar: Kannst du einen ruhigen Platz in der Schule finden, um zu arbeiten? Wenn nein, überdenke, ob es sich hier überhaupt lohnt, große Aufgaben anzugehen.

Plane kleine Aufgaben ein, die auch bei Ablenkung erledigt werden können. Krankentage eintragen erfordert üblicherweise kein hohes Maß an Konzentration. Genauso kannst du die Zeit nutzen, zu sortieren, auszumisten oder auch einfach nur Pause zu machen. Passe dich den Gegebenheiten an.

8. Der Weg zur Schule

Lange Zeit war er mir verhasst: Mein Weg zur Schule oder von ihr weg. Nicht wegen der Institution Schule an sich, sondern wegen der Zeit im Auto. So viel ungenutzte Zeit, die einfach nur sitzend verbracht wird.

Allerdings habe ich es mittlerweile geschafft, mir diese Zeit viel angenehmer zu gestalten. Es nutzt nichts, sich über vergeudete Zeit zu ärgern, stattdessen sollte man etwas ändern. Mittlerweile höre ich interessante Podcasts, Hörbücher oder auch meinen Spezialmix an motivierender Musik, um mich besser durch den Tag zu bringen.

Überlege selbst, wie du dir deinen Schulweg verbessern kannst. Gibt es ein Thema, über das du schon lange lernen wolltest? Ein Buch, das du immer lesen wolltest? Es gibt mittlerweile so viele Möglichkeiten, die Zeit unterwegs zum Lernen und Wachsen zu verwenden. Nutze sie!

9. Korrigieren

Die meisten Schularten kommen um das Korrigieren nicht herum. Spaß macht es selten bis nie, aber es gehört zumeist eben dazu. Darum auch hier die Frage: Wie kann es möglichst angenehm gestaltet werden, so dass es kein so großer Zeitfresser ist?

Auch hier zahlt sich gute Vorarbeit zumeist aus. Je klarer der Plan zur Korrektur, je klarer der Erwartungshorizont von dir selbst aufgestellt wurde, umso schneller wird später die Korrektur verlaufen. Du solltest dir auch wirklich ausführliche Gedanken über die Arbeitsaufträge machen. Je klarer sie formuliert wurden, umso weniger Probleme hast du später beim Bewerten.

Nutze auch zeitsparende, leicht korrigierbare Aufgabentypen. In meinen Augen ist eine gute, schlau gestellte Multiple Choice Aufgaben nicht zwingend schlechter als eine offene Frage. Nur anders.

Mir hat es auch sehr geholfen, mich beim Korrigieren nicht mehr zu ärgern. Oft war ich so erstaunt über die Antworten meiner Schüler, dass ich mir selbst Vorwürfe gemacht habe. Es wurde zurückgeblättert, nochmal ins Heft geschaut, geärgert, wieder geblättert, was haben eigentlich die anderen geschrieben, wie kommt der da nur drauf? Kurz: Ich habe eine Menge Zeit vergeudet, für etwas, das ich jetzt eh nicht ändern kann. Seitdem ich das nicht mehr mache, bin ich wesentlich schneller geworden.

Fazit

Es gibt viele Zeitfresser im Lehreralltag und sie werden nicht verschwinden. Du kannst aber einiges dafür tun, dass sie nicht überhand nehmen und angenehmer verlaufen. Das Schlimmste ist, die Situation als unveränderbar hinzunehmen.

Welche Strategien verwendest du, um den Zeitfressern zu entkommen? Habe ich noch wichtige Zeitdiebe des Alltags vergessen? Teile mir deine Meinung zum Artikel mit.

Bis zum nächsten mal.

Und vergiss nicht: Auch Lehrer haben ein Recht auf Zeit.

Basti

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(4) comments

Becci 2017-08-04

Lieber Basti,
danke für deine wertvollen Artikel (die ja auch Zeit kosten, aber gut genutzt ;-))!
Werde mich für das kommende Schuljahr noch genauer einlesen und bestimmt was davon nutzen können.

Liebe Grüße, Becci

Reply
    Basti 2017-08-04

    Liebe Becci,
    danke für die lieben Worte.
    Ich würde mich freuen, auch von dir wieder zu lesen 🙂

    Liebe Grüße
    Basti

    Reply
Juliane 2018-06-07

Hallo Basti, ich bin über deinen Blog gestolpert und glaube, er ist genau das, was ich gesucht habe. ☺
Ja ja, die Zeitfresser. Es gibt so viele von ihnen. Ich arbeite als selbstständige Lehrerin in der Erwachsenenbildung. Leider habe ich es schon in einigen Sprachinstituten erlebt, dass man sich aus Angst vor “Kopiermissbrauch” das Kopiergerät direkt spart. Stattdessen wird man dazu verdonnert, mit einer Kopierkarte im “nächstgelegenen” (meist leider gar nicht direkt um die Ecke) Kopier- oder Schreibwarenladen zu kopieren. Was das an Zeit kostet! Das finde ich sehr ärgerlich, wo doch ein Kopierer in jedes Bildungsinstitut gehört. Und an unsere kostbare Zeit wird dabei schon gar nicht gedacht…
Liebe Grüße,
Juliane

Reply
    Basti 2018-06-07

    Hallo Juliane,

    freut mich sehr, dass ich dich vielleicht bei dem ein oder anderen Thema unterstützen kann.
    Was du beschreibst, ist wirklich schade. Vor allem wenn man bedenkt, dass von einem Lehrer zum Einen differenzierte Meisterstunden mit individuellem Material erwartet werden, zum Anderen bei sowas wie Kopien dermaßen gespart werden muss.
    Und dazu kommt eben dann noch, dass dieses Vorgehen auch für den Lehrer eine große Zusatzbelastung darstellt.
    In deinem Fall wird eine gute Vorausplanung sehr wichtig sein. Es wäre sicher sinnvoll, immer mindestens eine Woche vorher deine Unterrichtsinhalte schon ausgearbeitet zu haben, damit du eben auch nur einmal in der Woche in den Kopierladen laufen musst. Lies dir mal meinen Blogartikel durch, dort erkläre ich die Vorteile dieser Vorgehensweise genauer 🙂 Wie gehst du mit dieser Situation um?

    Viel Freude beim Lesen und hoffentlich noch viel Zeitersparnis,
    Basti

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